beginning of installation: 1st of December 2007
opening celebration: 18th of December 2007
end of project: spring 2009




Die Erweiterung der Gedenkstätte Berliner Mauer

Die Gedenkstätte Berliner Mauer besteht gegenwärtig aus dem Mauerdenkmal, dem Dokumentationszentrum und der Kapelle der Versöhnung.
Der Berliner Senat hat 2006 die Erweiterung der Gedenkstätte auf eine Gesamtlänge von 1,3 km entlang des ehemaligen Mauerstreifens in der Bernauer Straße beschlossen.
Die zur Verfügung stehenden Investitionen betragen 11,6 Mio. Euro, die von EU, Bund, Land Berlin und weiteren Investoren getragen werden. Erste Baumaßnahmen beginnen 2008/2009.
Als Zieldatum für die Fertigstellung ist das Jahr 2011 vorgesehen, das Jahr des 50.Jahrestages des Mauerbaus.

weitergehende Informationen finden Sie auch unter www.berliner-mauer-gedenkstaette.de




Internationale Kunstaktion am Mauerstreifen


Die galerie son wurde von der Organisation der Gedenkstätte dazu eingeladen, acht großformatige Plakatwände in der Bernauer Straße gegenüber des Dokumentationszentrums von Künstlern aus vier Nationen gestalten zu lassen, um bereits jetzt ein erstes sichtbares Startsignal nach außen zu geben.

Die beteiligten Künstler sind:

Andrej BAROV Russland

Lao JIANG China

Sehwi OH Korea

Robert SCHÄTZ Deutschland



Mit Blick zur Bernauer Straße
Die Plakatwerke der vier Künstler aus vier Nationen:


Andrej BAROV Russland

Der 1958 in Sankt Petersburg geborene russische Künstler Andrej Barov zeigt auf seiner Plakatwand sechs Arbeiten aus seinem 30teiligen Werkzyklus "Papierwelt". Hierbei benutzt er die Symbole des Kommunismus und parodiert diese in seinen collagehaften, abfotografierten Installationen.
Barov, der selbst kurz vor dem Mauerfall nach West-Berlin flüchtete, findet durch diese Überzeichnung einen eigenen, auch ästhetisch äußerst reizvollen Weg, Kritik am totalitären System der UdSSR stellvertretend für alle Diktaturen der Welt zu artikulieren.


Robert SCHÄTZ
Deutschland

Der lange Zeit als Bühnen- und Wandmaler tätige deutsche Künstler Robert SCHÄTZ gestaltete seine Plakatwand in Metall und Stahl. Man liest die drei Worte FREIHEIT, GLEICHHEIT, BRÜDERLICHKEIT, die sich bei näherem Hinsehen aus Währungszeichen zusammengesetzt entpuppen.
Sein Werk trägt den Titel "Werte", und ebensolche stellt SCHÄTZ einander gegenüber - zum einen die ideellen, menschlichen Werte der Losung der französischen Revolution, zum anderen die Werte des kapitalistischen Systems. Der Betrachter, dessen Konturen sich in den polierten Buchstaben spiegeln, wird durch diese Darstellung zum Denken angeregt: cogito ergo liber sum?


Lao JIANG
China

Der 1972 in China geborene Lao JIANG führt in Peking ein eigenes Animationsstudio. Ein von ihm entworfener Cartoon-Charakter trägt den Namen "Mister Red" und ist das Comic-Alter-Ego eines in China sehr populären Rockmusikers, der durch seine systemkritischen Texte bisher in seinem Heimatland mit Auftrittsverbot belegt war.
JIANG malte in seinem als "when we believe" betitelten Werk diesen "Mister Red" mit verbundenen Augen und erhobenen Armen zwischen Stacheldrahtzäunen stehend. Was zunächst hoffnungslos erscheint, zeigt den Menschen gleichzeitig als Souverän und Herrn der Lage. Es obliegt seiner eigenen Entscheidung, sich zu einem Sehenden zu machen, die Umgebung zu erkennen und die ihn umgebenden Grenzen zu überwinden.


Sehwi OH
Korea

Sehwi OH aus Südkorea lebt seit einem halben Jahr in Berlin. Während seiner Zeit als Soldat an der Grenze beider koreanischer Staaten war die Teilung seines Landes fur ihn eher von geringer Bedeutung. Erst der Blick von Deutschland aus auf seine Heimat ließ in ihm ein tieferes Bewusstsein fur die dortige Lage entwickeln und in ihm die Hoffnung auf Wiedervereinigung beider koreanischer Staaten erwachen.
Diese will der 27jährige auch in seinem Werk zum Ausdruck bringen. Es zeigt eine nordkoreanische Tanzformation, die von Elementen der Fahnen beider koreanischer Staaten umgeben ist und in einem Feuerwerk aus roten, blauen und weißen Punkten steht. OH erreicht auf diese Weise zumindest in seiner Kunst die Vereinigung Koreas.

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Mit Blick zur Kapelle der Versöhnung
Die Plakate über die Annäherung von Nord- und Südkorea


Hand in Hand - Schritt für Schritt - Zug um Zug - hin und her


14. Juni 2000

Die Begegnung zwischen den Präsidenten
Kim Jong-Il (Nordkorea) und
Kim Dae-Jung (Südkorea)


3. Oktober 2007

Die Begegnung zwischen den Prasidenten
Kim Jong-Il (Nordkorea) und
Roh Moo-Hyun (Südkorea)


17. Mai 2007

Eröffnung der nord- und südkoreanischen Bahnstrecke "Kyeongui"


1. Dezember 2007

Verbindung der nord- und südkoreanischen Autostrecke "Donghae"

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18.12.2007














der Ort










Internationale Künstler werben um Aufmerksamkeit
für ihre Heimatländer


von Norman Bothe / galerie son


Als vor einiger Zeit vier Plakatwände für Werbung vor die Kapelle der Versöhnung und gegenüber der Mauer-Gedenkstätte in der Bernauer Straße, direkt auf den alten Mauerstreifen, gestellt wurden, war der Schrecken groß. Der Aufbau war nicht mehr zu verhindern, doch glücklicherweise konnte ein zielgerichteter Protest eine kommerzielle Nutzung abwehren. Es wäre auch alles andere als akzeptabel, an einem solch historisch strittigen wie denkwürdigen Ort fur Designerlabel oder große Automarken zu werben.
Und da die Wände nun standen, lag die Frage im Raum, wie sie - dem genius loci entsprechend - sinnvoll genutzt werden können. In enger Zusammenarbeit mit der Galerie Son und der Botschaft der Republik Korea entstand und reifte die Idee des 'Dokumentationszentrums Berliner Mauer', die kahlen Wände als Ausstellungsflächen fur inhaltsreiche und engagierte Kunst zu nutzen. Vier Künstler aus vier verschiedenen Ländern erhielten die Möglichkeit, über ihre Kunst öffentlich auf die jeweilige politische und soziale Lage in ihren Heimatländern aufmerksam zu machen. Es sind da ein Chinese, ein Koreaner, ein Russe und ein Deutscher.

Auf der ersten Plakatwand stellt der chinesische Animationskünstler Lao Jiang seinen kommunistischen und selbstironischen Superhelden 'Mr. Red' mit verbundenen Augen zwischen zwei Panzersperren, in Abwehrhaltung, sowohl gegen den Osten als auch gegen den Westen. In seinem Comic-Shot karikiert Jiang treffend den äußerst unsicheren und noch immer nicht eindeutig definierten Zwischenweg, den China auf der großen weltpolitischen Bühne der Gegenwart gehen möchte.
Sehwi Oh, Südkoreaner, setzt auf seiner Plakatwand eine stabile und harmonische Menschenpyramide, eine Komposition aus zwei unterschiedlichen und sich doch ähnelnden Tanzformationen, die symbolisch für Nord- und Südkorea stehen, in den Mittelpunkt seines Bildes. Man wird erinnert an den äußerst emotionalen Einzug einer vereinten koreanischen Mannschaft in das Telstra Stadium Sydney bei den Olympischen Spielen 2000. Es war eine der ersten wichtigen Stationen auf dem langen und beschwerlichen Weg zu einer möglichen Wiedervereinigung Koreas. Dies als Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, ist unbedingte Wirkungsabsicht des jungen Künstlers. Anknüpfend an Sehwi Ohs Bild sind auf der Rückseite der vier Plakatwände Photomontagen der Galeristin und Künstlerin Mihyun Son zu sehen, die ebenfalls auf den schwierigen Einigungsprozess Koreas aufmerksam machen sollen.
Die auf der dritten Plakatwand montierten Photomontagen des in Russland geborenen Künstlers Andrej Barov zeigen auf sehr ironische Weise eine offensichtlich politische Unsicherheit seines Heimatlandes nach dem Untergang als mächtiger Ostblock. Auf der Suche nach einem neuen politischen Selbstverständnis erscheint die junge Republik in Barovs Bildern hin- und hergerissen zwischen diktatorischer Tradition und demokratischem Aufbruch. Symbolisch lässt Barov Freiheitsengel, die in ihren Greifen die Köpfe Stalins und Lenins halten, über dem roten Platz in Moskau fliegen. Die Köpfe abwerfen oder an ihnen festhalten, das scheinen die Fragen in Russland, und diese Fragen kritisiert der Künstler über seine Werke vehement, denn sie sind falsch gestellt.
Der deutsche Künstler Robert Schätz macht über das Kunstwerk auf seiner Plakatwand aufmerksam auf ein unmittelbar gegenwärtiges Problem in westlichen Demokratien, nämlich auf eine langsam voranschreitende soziale Spaltung ihrer Bevölkerungen. Auf poliertem Edelstahlplatten, in denen man sich spiegeln kann, sind die Worte Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zu lesen. Währungssymbole der weltweit führenden und erfolgreichen Wirtschaftsländer pixeln die jeweilig nötigen Buchstaben und bilden den Kern der Kritik des Künstlers. Schätz ist es wichtig, dass die deutungsschwangeren Begriffe, die er wählte, nicht einfach nur Makulatur erfolgreicher Wirtschaftunternehmen und effektiver Finanzmärkte sind, sondern selbstverständliche und unbedingte Rechtsbegriffe stabiler Demokratien.

Bis 2009, dem voraussichtlichen Beginn der Realisierung zur geplanten Erweiterung der 'Gedenkstätte Berliner Mauer', werden die Kunstwerke der Öffentlichkeit zugänglich sein. Bedenkt man, dass jährlich ca. 300.000 Besucher vom naheliegenden 'Dokumentationszentrum Berliner Mauer' angezogen werden, und es einen regen Fußverkehr entlang der Bernauer Straße gibt, werden die Botschaften der vier Künstler sicher beim ein oder anderen ins Bewusstsein dringen und einen bleibenden Eindruck hinterlassen. In dieser globalisierten Welt gibt es halt kein Problem mehr, was gleichgültig sein, geschweige denn ignoriert werden darf, denn irgendwie tangiert es das Leben jedes Einzelnen.





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